Vorsitzender der DHTV beim Kongress zu Gesundheit, Sport, Inklusive, Nachhaltigkeit und Demokratie

Vorsitzender der DHTV beim Kongress zu Gesundheit, Sport, Inklusive, Nachhaltigkeit und Demokratie

Vorsitzender der DHTV beim Kongress zu Gesundheit, Sport, Inklusive, Nachhaltigkeit und Demokratie

11. März 2026| Marc Fasthoff

Am 28. Februar 2026 fand in Solingen der glüxpänz Kongress unter dem Motto „Netzwerken – gemeinsam stark und kreativ!“ statt. Im Mittelpunkt standen Gesundheit, Sport, Inklusion, Nachhaltigkeit und Demokratie mit dem Ziel, neue Ideen, Innovationen und Impulse für die Praxis in Kitas, Schulen und Quartieren zu entwickeln. Die Deutsche Handballtrainer Vereinigung (DHTV) war durch unseren Vorsitzenden Klaus-Dieter Petersen vertreten.  

 

Nach der Begrüßung und dem Eröffnungsvortrag von Prof. h.c. Dr. h.c. Armin Krenz zum Thema „Die Haltung prägt die Pädagogik – die Haltung führt zur Qualität“ nahm ‚Pitti‘ am Panel „Sport und Bewegung als Basis der Zusammenarbeit im Quartier“ teil. Im Rahmen dieser Diskussionsrunde unterstrich der Vorsitzende der DHTV und Nachwuchskoordinator beim THW Kiel mit Nachdruck die zentrale Bedeutung von Bewegung in Kindergärten und Grundschulen.

Aus seiner Sicht werden dort die entscheidenden Grundlagen für körperliche, geistige und soziale Entwicklung gelegt. Bewegung sei kein „Zusatzangebot“, sondern elementarer Bestandteil ganzheitlicher Bildung. Frühzeitige Bewegungsförderung stärke nicht nur Motorik und Gesundheit, sondern auch Selbstbewusstsein, Konzentrationsfähigkeit und Teamfähigkeit.

Gerade in einer Zeit zunehmender Bewegungsarmut und wachsender sozialer Herausforderungen sei es Aufgabe von Politik, Verbänden und Trägern, Bewegung strukturell zu verankern – verlässlich, qualitätsgesichert und nachhaltig finanziert.

Sport als gelebte Demokratie

Darüber hinaus betonte ‚Pitti’ die Rolle des Sports als gelebtes Lernfeld für Demokratie. Kinder und Jugendliche lernen im Sport den Umgang mit Regeln, erleben Fairness und Respekt und erfahren, was es bedeutet, Verantwortung für sich und das Team zu übernehmen.

Das Akzeptieren von Entscheidungen, das Einhalten gemeinsamer Vereinbarungen sowie das Miteinander im Team seien praktische Demokratiebildung im Alltag. Sport vermittle Werte wie Verlässlichkeit, Zusammenhalt und gegenseitige Achtung – Kompetenzen, die weit über das Spielfeld hinauswirken und für eine stabile, solidarische Gesellschaft unverzichtbar sind.

Besonders hob ‚Pitti’ hervor, dass demokratische Haltung nicht verordnet werden könne, sondern im täglichen Handeln sichtbar werde – im Training, im Wettkampf, im Umgang mit Niederlagen und Erfolgen sowie in der Vorbildfunktion von Trainerinnen und Trainern.

Verantwortung, Haltung und Wirkung

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Ausführungen lag auf den Themen Verantwortung, Haltung und Wirkung. ‚Pitti’  machte deutlich, dass Vereine, Verbände und Bildungseinrichtungen eine besondere gesellschaftliche Verantwortung tragen. Entscheidend sei die innere Haltung der handelnden Personen: Wer Kindern mit Respekt, Klarheit und Verbindlichkeit begegnet, schafft Vertrauen und Orientierung.

Wirkung entstehe dort, wo aus dieser Haltung nachhaltige Strukturen, verlässliche Netzwerke und langfristige Kooperationen wachsen. Gerade die Zusammenarbeit im Quartier – zwischen Kita, Schule, Verein, Kommune und weiteren Partnern – sei der Schlüssel, um Kinder unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund zu erreichen.

Starker Austausch – starke Impulse

Am Nachmittag vertieften zahlreiche Breakouts und Workshops die Themen des Tages, unter anderem zu Medienkompetenz, Kinderschutz, Demokratiebildung, Inklusion und Bewegungsangeboten. Der intensive Austausch zeigte, wie groß das gemeinsame Interesse an einer starken, bewegten und werteorientierten Bildungslandschaft ist.

Für die DHTV war der Kongress ein wichtiger Impulsgeber. Die Beiträge und Gespräche haben erneut verdeutlicht, dass Bewegung mehr ist als Sport – sie ist Bildungsauftrag, Gesundheitsförderung und gesellschaftlicher Beitrag zugleich.

Der glüxpänz Kongress 2026 setzte damit ein klares Zeichen für die Bedeutung von Bewegung, demokratischen Werten und verantwortungsvollem Handeln – Themen, die durch die Positionen von ‚Pitti’ prägnant vertreten wurden. Die DHTV wird diese Impulse aufnehmen und weiterhin aktiv daran mitwirken, Bewegung, Haltung und Verantwortung im deutschen Handball nachhaltig zu stärken.

„Wenn ein Spieler Leistung bringt, ist sein Alter egal.“ – Interview mit Daniel Haase

„Wenn ein Spieler Leistung bringt, ist sein Alter egal.“ – Interview mit Daniel Haase

„Wenn ein Spieler Leistung bringt, ist sein Alter egal.“ – Interview mit Daniel Haase

11. März 2026| Marc Fasthoff

Daniel Haase ist einer der bekanntesten Nachwuchstrainer im deutschen Handball. Mit den Rhein-Neckar Löwen erreichte er mehrfach das Finale um die Deutsche Meisterschaft in der A-Jugend, im Jahr des Titelgewinns 2022 wurde er zudem als „Nachwuchstrainer der Saison“ der HBL ausgezeichnet. Im Sommer 2024 kehrte der heute 43-Jährige als Trainer der Zweitliga-Mannschaft zu seinem Jugendverein TUSEM Essen zurück, wo sein Engagement im Dezember 2025 endete. Im Interview spricht der A-Lizenz-Inhaber über die Frage, wie Anschlussförderung gelingt … 

 

Daniel, die Anschlussförderung ist in den vergangenen Jahren immer wieder ein großes Thema gewesen. Was braucht es, damit junge Spieler erfolgreich im Erwachsenenbereich ankommen?

Es ist ein Mix aus verschiedenen Faktoren. Als Verein muss ich den Mut haben, jungen Spielern die Chance  zu geben und diese Entscheidung auch dann mitzutragen, wenn es kurzfristig nicht sofort erfolgreich ist. Es braucht mitunter einen längeren Atem, bis sich der junge Spieler einfügt und der Erfolg messbar sichtbar ist. Als Trainer muss ich bereit sein, mit jungen Spielern zu arbeiten und den Mut haben, sie auch einzusetzen. Und als Spieler muss ich bereit sein, meine neue Rolle anzunehmen und vielleicht eine gewisse Geduld zu haben – auch, wenn die heutige Generation eine andere Anspruchshaltung hat.

Wie meinst du das?

Früher konnte ein Trainer einen jungen Spieler auch 20 Spiele hinter die Bank setzen und das wurde akzeptiert. Das ist heute anders. Die Spieler haben eine andere Anspruchshaltung an sich und auch an den Trainer bzw. den Verein. Jeder hat den Anspruch, zu spielen – und wenn er sieben Spiele nicht auf dem Feld steht, hat er vielleicht keinen Bock mehr. Das sollte man als Trainer wissen.

Was verändert das in der Arbeit mit jungen Spieler für den Trainer?

Ich glaube, man sollte diese Ansprüche ernst nehmen. Damit meine ich natürlich nicht, dass ein junger Spieler sich wünschen darf, was er will oder man sich als Trainer auf der Nase herumtanzen lässt, aber es ist wichtig, auf die jungen Spieler zu achten. Es braucht Erfolgserlebnisse. Dass junge Spieler zwei Jahre nur auf der Bank sitzen, gehört zurecht der Vergangenheit an. Als Trainer kann man die Integration stattdessen mit Verstand gestalten, man kann mal eine Belohnung für gute Trainingsleistung geben, man kann die Jungs bewusst über Aufgaben einbinden und mit ihnen Ziele für die Entwicklung besprechen.

Zum Beispiel? 

Als A-Jugendlicher im Herrenbereich anzukommen, ist mindestens ab der Oberliga immer ein Anpassungsvorgang. Kaum ein A-Jugendlicher kommt bei den Männern direkt zurecht, das kann man auch als Trainer auch nicht erwarten. Es hilft daher beiden Seiten, Ziele zu definieren. Wenn ein junger Spieler schnell ist, aber noch nicht den Körper mitbringt, kann man ihn schrittweise heranführen – er kommt zunächst auf der Außenposition in der Abwehr, rückt dann auf die Halbposition und geht dann irgendwann die 2. und 3. Welle mit, aber im aufgebauten Angriff spielt er eben erst, wenn er körperlich und spielerisch soweit ist. So setzt man als Trainer Leitplanken für die Entwicklung, die allen Beteiligten – dem Spieler selbst, dem Trainer, aber natürlich auch den Mannschaftskollegen – Orientierung geben.

Und das funktioniert?

Meiner Erfahrung nach gehen die meisten Spieler bei so einem Plan voll mit, weil sie so eine klare Rolle haben und sie ernst genommen werden. Einige Trainer haben vielleicht nach wie vor die Meinung, dass ein 19-Jähriger nicht so viel wert ist wie ein 30-Jähriger und sich ein junger Spieler erst einmal die Hörner abstoßen müsse, aber das ist aus meiner Sicht falsch. Letztendlich ist Handball – in der Oberliga ebenso wie in der Bundesliga – ein Leistungssport: Wenn ein Spieler die für das Niveau notwendige Leistung bringt, ist sein Alter egal. Die Mündigkeit der Spieler ist groß geworden; sie wollen spielen und nicht nach zwei Jahren erste Erfahrung sammeln, weil sie dann alt genug sind.

Was bedeutet das neue Selbstbewusstsein junger Spieler, wenn ich das so nennen darf, für die Hierarchie in einer Mannschaft?

Es hat sich ebenfalls gewandelt; auch hier spielt die Leistung inzwischen eine größere Rolle als das Alter. Wenn ein junger Spieler auf Anhieb den Anschluss findet, kann er spielerisch auch eine Führungsrolle einnehmen. Wir müssen davon weg, dass es jung und alt gibt, am Ende sollte für mich als Trainer die Qualität zählen. Qualität setzt sich durch. Und wenn ein 19-Jähriger die Qualität hat, muss ich als Trainer auch den Mut aufbringen, ihn in engen Phasen einzuschmeißen, damit er Erfahrung sammeln kann – etwas, das ältere Spieler ihm natürlich voraus haben.

Das ist ein Risiko …

Das habe ich gemerkt (lacht). Deshalb ist es wichtig, dass der Verein und auch die Mannschaft dahinterstehen, junge Spieler einzubinden und zu entwickeln. Das ist eine Philosophiefrage. Junge Spieler müssen Erfahrung sammeln und Fehler machen dürfen. Wenn der Verein, die Fans oder die Sponsoren das nach ein, zwei schlechten Spielen sofort hinterfragen, wird es Ärger geben.

Auch die Mitspieler müssen das mittragen …

Das stimmt, aber auch das ist zum einen eine Frage der Vereinsphilosophie und zum anderen ein Punkt, wie der Trainer das vermittelt. Wenn ich transparent bin, kann ich die Spieler mitnehmen. Denn bei allem Willen, junge Spieler zu fördern und zu integrieren: Es gehört aber auch zur Wahrheit, dass es nur mit jungen Spielern auch nicht funktionieren wird. Jeder Trainer braucht erfahrene Spieler, die ihre Erfahrung weitergeben und die jungen Spieler im Training und im Spiel an die Hand nehmen. Ich glaube, dieser Faktor wird oft unterschätzt.

Inwiefern?

Mentoren innerhalb der Mannschaft sind für junge Spieler unfassbar viel wert. Die Bedeutung habe ich am Anfang sicherlich auch selbst unterschätzt, aber es hat einen großen Impact, wenn nicht nur der Trainer Informationen weitergibt, sondern die Kniffe untereinander vermittelt werden. Ein erfahrener Abwehrspieler wie Alexander Becker beim TuSEM Essen kann den jungen Spielern so viel mitgeben, was du als Trainer gar nicht schaffst. Entsprechend wichtig ist ein ausgewogener Kader, in dem die älteren Spieler vielleicht keine 60 Minuten mehr durchspielen, aber über ihre Erfahrung unverzichtbar sind und in gewisser Weise „mitcoachen“. Und generell sind ältere und erfahrene Spieler für eine Mannschaft bedeutsam, denn zu viel Verantwortung kann junge Spieler leicht überfordern.

Wie gelingt es, die Balance zu finden, sodass junge Spieler weder überfordert noch unterfordert werden?

Das ist ein Punkt, den man als Trainer im Blick haben muss. Unterforderung und Überforderung liegen dicht beieinander und müssen mitunter auch sein. Eine – leichte – Unterforderung ist per se nichts schlechtes, weil sie mitunter den Raum gibt, um Dinge auszuprobieren. Wenn ein A-Jugendlicher beispielsweise schon bei den Herren trainiert und dann in seiner Altersklasse nicht mehr hundert Prozent an seine Leistungsgrenze gehen muss, ist das nicht schlimm. Er hat dort vielleicht auch eine andere Rolle als bei den Männern. Und wenn ein A-Jugendlicher wiederum neu im Männerbereich ist, ist es normal, dass er in den ersten Trainingseinheiten und Spielen überfordert sein wird. Es sollte sich aber nach und nach einpendeln. Ich kann nur empfehlen, dass die Jungs sich früh im Seniorenbereich ausprobieren dürfen, dann wird man sehen, wohin die Reise gehen kann.

Wenn du eben von einem ausgewogenen Kader gesprochen hast: Wie entscheidest du, ob ein junger Spieler in die Mannschaft passt?

Falls ich das voranstellen darf: Dass ein Spieler in die Mannschaft passt, ist nur ein Faktor. Viel wichtiger ist, dass er zu mir als Trainer und meiner Spielidee passt. Ich brauche keinen jungen Spieler holen, der seine absolute Stärke im Eins-gegen-Eins hat, wenn ich von ihm dann erwarte, dass er aus 15 Metern den Ball auf das Tor hämmert. Bevor ich den Spieler hole, der in der Jugend 300 Tore in einer Saison geworfen hat, muss ich also überlegen, ob er in mein Konzept passt, sonst wird es ein beidseitiger Reinfall.

Wie gehst du bei so einer Entscheidung vor?

Es hilft natürlich, wenn man einen Spieler kennt, weil man vielleicht früher schon mit ihm gearbeitet hat. Es kann und darf jedoch kein Kriterium sein, einen Spieler nur zu nehmen, weil man ihn schon kennt. Das wichtigste Kriterium ist natürlich die Leistung, da kann ich als Trainer auch Statistiken als Grundlage heranziehen. Wie viele Tore hat ein Spieler geworfen, wie viele Assists, wie ist seine Wurfquote? Es gibt jedoch Faktoren, die keine Statistik der Welt zeigt.

Zum Beispiel?

Wie ist die Persönlichkeit eines Spielers? Hat ein Spieler Spaß an der Abwehr? Ist ein Spieler – abseits der sportlichen Leistung – bereit, eine Führungsrolle in der Mannschaft einzunehmen? Wie ist seine Einstellung im Training? Ist er bereit, aus seiner Komfortzone herauszugehen? Wie ist seine körperliche Entwicklung? Wie geht er mit der Körperlichkeit im Männerbereich um?

Wie findest du die Antworten auf diese Fragen?

Ich finde es ganz wichtig, mit dem Spieler und seinen Eltern, aber auch seinen Trainern oder Mitspielern – ob ehemalig oder aktuell – zu reden. Sie können dir neue Perspektiven geben. Ich bekomme auch immer wieder Anrufe von Trainerkollegen, die mich zu früheren Spielern befragen. Dieser Austausch ist enorm wichtig. Wenn mir ein Trainerkollege sagt: Spieler X hat Talent, aber ist im Training ein Schludrian, dann weiß ich, dass es nicht passen wird, wenn ich viel Wert auf Disziplin lege.

Wenn du dich für einen Spieler entscheidest: Wie viel ist Bauchgefühl und wie viel ist Statistik?

Fifty-Fifty. Die Statistik ist eine wichtige Grundlage, aber man kann sich nicht nur darauf verlassen. Die Quote und die Anzahl der technischen Fehler wären vielleicht noch statistisch erfassbar, aber wie ein Spieler deckt und wie sein Mindset auf der Bank ist, wenn er ausgewechselt wurde, zeigt keine Zahl. Bleiben wir bei unserem Spieler, der 300 Tore erzielt hat: Sitzt er nach seiner Auswechslung bockig da oder feuert er die Mannschaft an? Und wenn er in einem Spiel vielleicht nur drei von elf Würfen getroffen hat: Unterstützt er nach seiner Auswechslung von der Bank und freut sich mit seinen Teamkollegen oder meckert er die ganze Zeit gegen Schiedsrichter und über die Fehler der Mitspieler? Mentalität kann man nicht an Zahlen ablesen. Daher kann ich neben dem Austausch mit Trainerkollegen nur dazu raten, sich auf jeden Fall ein oder zwei ganze Spiele anzugucken, um zu beobachten, wie er sich abseits eines Videozusammenschnitts seiner Tore präsentiert.

Selbst, wenn auf dem Papier alles gut aussieht und auch die zweiten Meinungen positiv sind: Eine Garantie, dass es funktioniert, gibt es nicht, oder?

Nein, natürlich nicht. Ob ein A-Jugendlicher seine Qualitäten auch im Erwachsenenbereich zeigen kann, ist ein Blick in die Glaskugel. Ob ein Spieler seinen „X-Faktor“, der ihn auszeichnet, nicht nur unter Gleichaltrigen zeigen kann, sondern auch im Erwachsenenbereich abrufen kann, kann man nicht vorhersagen. Und der Spieler muss sich in der neuen Mannschaften auch anbieten wollen, sonst hast du als Trainer keine Chance.

Magst du das erklären?

Es gibt A-Jugendliche, die nach ein, zwei Wochen völlig akzeptiert sind, weil sie mit ihrer Leistung überzeugen und die älteren Spieler ihr Talent auch sehen. Felix Göttler wäre dafür ein gutes Beispiel aus meiner Zeit in Essen. Kapitän Dennis Sczesny war am Anfang skeptisch, aber Felix hat ihn in der Vorbereitung komplett überzeugt und in der Saison selbst 155 Tore in 33 Spielen gemacht. Über Leistungsbereitschaft, Wille, Einstellung und Disziplin kann man als junger Spieler also viel gewinnen, aber auch viel verlieren, wenn diese Faktoren nicht stimmen. Ob ein Spieler ankommt, hängt viel an ihm selbst. Als Trainer kannst du einen jungen Spieler in einem gewissen Rahmen fördern, aber du darfst ihn nicht blind protegieren. Er muss sich bewähren.

Wann würdest du sagen: Finger weg von einer Verpflichtung?

Wenn mich ein Spieler von der Einstellung nicht überzeugt hat und ich Bauchschmerzen habe, hole ich ihn nicht – auch, wenn er 300 Tore in einer Saison geworfen hat. Und Trainer und Verein müssen sich einig sein, wen sie holen. Wenn ein Trainer mit einem Spieler arbeiten muss, weil er ihn vom Verein vorgesetzt bekommt, wird es keine fruchtbare Beziehung. Daher ist es als Verein keine Lösung, einfach junge Spieler zu holen, weil es gerade en vogue ist – man sollte einen Spieler nur holen, wenn er zum Trainer passt.

Schlagen wir abschließend einen Bogen zum Anfang: Wenn ein junger Spieler bei dir erfolgreich im Erwachsenenbereich angekommen ist und sich auszeichnet, kommt vielleicht irgendwann der nächste Schritt – und es kommen die Anfragen. Wie schwierig ist es, Spieler ziehen zu lassen, die man bei so einem wichtigen Schritt begleitet hat?

Das ist natürlich hart, aber als Trainer muss man offen sein. Man kann ja niemanden zwingen, zu bleiben und jemanden absichtlich schlecht zu reden, ist keine Option. Wenn ein Angebot für einen Spieler geil ist, ist das doch toll und man kann ihn stolz ziehen lassen. Mich freut das immer riesig – und dann suche ich den nächsten Spieler, der diesen Weg gehen kann (lacht).

„Wir sitzen am Ende des Tages alle in einem Boot.“ – Interview mit Thore Poguntke

„Wir sitzen am Ende des Tages alle in einem Boot.“ – Interview mit Thore Poguntke

„Wir sitzen am Ende des Tages alle in einem Boot.“ – Interview mit Thore Poguntke

11. Februar 2026| Marc Fasthoff

Thore Poguntke (38) pfiff selbst bis 2018 in der 3. Liga, wurde Schiedsrichter-Coach und ist jetzt Leiter des Schiedsrichter-Ausschusses der 3. Liga des Deutschen Handballbundes. Im Interview spricht er über den Umgang zwischen Trainern und Schiedsrichtern – und worauf es für ein gutes Miteinander ankommt.

 

Thore, die DHTV unterstützt seit über zehn Jahren die Fortbildungsreihe „Gemeinsam statt einsam, bei der Trainer und Schiedsrichter gemeinsam lernen. Abseits diesen Rahmens: Wie funktioniert aus Sicht des Schiedsrichterwesens das gemeinsame Arbeiten im Alltag – sprich am Spieltag – miteinander?

Es ist eine Frage des Mindsets, wie man an die Sache herangeht. Aus meiner Sicht ist der entscheidende Punkt, dass Schiedsrichter und Trainer am Ende des Tages im gleichen Boot sitzen; wie übrigens Zuschauer und Spieler auch. Wir wollen alle einen attraktiven Handball sehen und deswegen ist es total wichtig, ein gutes Miteinander zu gestalten. Das ist eine unserer Aufgaben als Schiedsrichter – wenngleich jeder dabei natürlich ein Stückweit auch seine Rolle wahrnehmen muss, das gehört auch zur Wahrheit dazu.

Inwiefern?

Trainer wollen das Spiel gewinnen,  Schiedsrichter wollen das Spiel regelgerecht über die Bühne bekommen. Diese unterschiedlichen Interessen sind Fakt und deswegen ist es total wichtig, sich bewusst zu sein, in welcher Rolle man steckt. Kritik ist in der Regel in keine Richtung persönlich, sondern hat mit der Rolle zu tun. Ich finde es außerdem total wichtig, zu verstehen, warum der andere so reagiert wie er reagiert.

Wie gelingt das aus deiner Sicht?

Das Reflektieren von Leistung hat einen großen Anteil. Ebenso, wie sich Trainer und auch Schiedsrichter auf ein Spiel, vorbereiten, sollte es nach dem Spiel dazugehören, sich zu reflektieren. Als Schiedsrichter kann man die Trainer dafür auch mal in die Kabine holen und um Feedback bitten. Das bedeutet manchmal sicherlich, dass man auch harte Kritik bekommt, aber das Entscheidende ist das Gespräch. Es ist okay, nicht einer Meinung zu sein, aber vorher noch einmal einen intensiven Blick auf das Spiel und die Leistung zu werfen, schadet nicht, denn vielleicht hat man doch etwas nicht gesehen. Ich bin daher ein großer Freund davon, einen Austausch mit den Trainern zu schaffen, das ist wertvoll – ob nach dem Spiel oder vielleicht auch mit etwas Abstand. Wir hatten zu unserem Sommerlehrgang der 3. Liga beispielsweise Jari Lemke eingeladen.

Was versteht man aus Schiedsrichter-Sicht unter einem guten Miteinander, das du eben ja schon beiläufig erwähnt hast? Eure Perspektive als Schiedsrichter mag sich ja durchaus unterscheiden zur Auffassung der Trainer von einem guten Miteinander.

Da wir unterschiedliche Interessen haben, ist das sicherlich so. Zum guten Miteinander gehört, dass ich als Schiedsrichter weiß, wer als Trainer mein Ansprechpartner ist. Es darf auch dazugehören, dass man einen kurzen Smalltalk führt, aber mit einem ausgewogenen Verhältnis zu beiden Seiten. Es sieht schlecht aus, wenn man mit einem Trainer 30 Sekunden und mit dem anderen 30 Minuten spricht. Den ersten Eindruck hat man kein zweites Mal. Und wenn man weiß, dass der Trainer gerade zur Diskussion steht, sollte man nicht fragen, wie es läuft (schmunzelt).

Und ein gutes Miteinander während des Spiels?

Im Spiel geht es in erster Linie darum, dafür zu sorgen, seine Aufgabe wahrzunehmen – und wenn Grenzen überschritten werden, das Spiel zurück in die erlaubten Bahnen zu lenken. Es ist geschickt als Schiedsrichter, an der ein oder anderen Stelle eine Entscheidung zu erklären – nicht im laufenden Spiel, da wollen wir uns konzentrieren, aber ein kurzer Hinweis in passender Situation hilft. So kann ein Trainer das Verhalten ggf. korrigieren – nicht einmal unbedingt das Verhalten von sich, sondern auch von seinen Spielern, damit dasselbe Fehlverhalten nicht noch einmal gepfiffen werden muss.

Wo ist die Grenze im Umgang miteinander – gerade, wenn man im Landesverband eventuell seit Jahren kennt?

Wir werden niemandem verbieten können, sich zur Begrüßung zu umarmen, aber ich rate nicht dazu (lacht). Wenn die andere Seite das sieht, macht es immer einen schlechten Eindruck; da müssen sich beide Seiten über ihre Rolle bewusst sein. Das Gespräch mit dem Trainer vor dem Spiel ist und bleibt ein Smalltalk und während des Spiels gibt es maximal kurze Hinweise. Es ist unter dem Gesichtspunkt der Voreingenommenheit fatal, wenn man sich zu intensiv austauscht. Nach dem Spiel kann man sich dann, wenn Bedarf besteht, auch intensiver unterhalten. Der Austausch in der Kabine ist sehr wertvoll, das ist eine gut investierte Zeit, weil besser versteht, warum eine Entscheidung so getroffen wurde.

Das klingt alles sehr … vorsichtig.

Ich halte das in gewisser Weise auch für einen Eigenschutz. Ich habe selbst lange gepfiffen und irgendwann in den Hallen viele Menschen gekannt. Mir war es aber für meinen eigenen Schutz und für meine Rolle richtig zu zeigen. Ich bin heute als derjenige hier, der unparteiisch ist. Das ist meine Aufgabe, für die ich angesetzt bin. Ein Gespräch kann jedoch auch ein geschicktes Mittel sein, mit dem der Trainer versucht, einen Schiedsrichter so ein bisschen auf seine Seite zu ziehen; da müssen wir als Schiedsrichter drauf achten.

Was sind im Spiel die Grenzen der Schiedsrichter?

Das ist natürlich ein Stückweit individuell, aber es gibt aber ein paar allgemein gültige rote Linien wie Beleidigungen beispielsweise. Es muss auch jedem Trainer klar sein, dass mit abfälligen Gesten eine Grenze überschritten wird – damit zeige ich ja ebenso öffentlichkeitswirksam wie despektierlich, dass ich mit dem, was der Schiedsrichter tut, nicht einverstanden bin. Das ist ein Punkt, den wir von der Bundesliga angefangen bis in die Landesverbände hinein nicht wollen und den im Umkehrschluss auch Trainer im Umgang mit sich nicht wollen: Ein arroganter, herablassender, einfach schlechter Umgang. Wenn der Schiedsrichter so handelt, ist das Geschrei groß. Daher muss es beidseitig die Aufgabe sein, für einen respektvollen Umgang zu werben. Es gehören Emotionen dazu, das macht unseren Sport aus, aber der respektvolle Umgang ist genauso ein Teil unseres Sports. Kritik kann ich als Trainer nach dem Spiel äußern, wenn die Emotionen abgekühlt sind. Das ist als Anstoß auch sehr viel sinnvoller für die Weiterentwicklung der Schiedsrichter als es auf dem Feld zu eskalieren.

Warum ist das ein Punkt, der dir so am Herzen liegt?

Gesten sind immer das, was alle sehen. Das muss klar sein. In einem Gespräch kann man auch mal den falschen Ton treffen, das wird sich nicht verhindern lassen, aber in dem Moment, wo ich außenwirksam Gesten setze oder den Schiedsrichter anschreie, bringt es mir definitiv keinen Nutzen. Als Trainer will ich damit keine Kommunikation mehr betreiben, sondern Wut rauslassen. Ich bin daher ein Freund des gesprochenen Wortes, das kann im Gegensatz zu Gesten und Geschrei helfen.

Was wäre abgesehen von der respektvollen Umgangsform ein Ratschlag an Schiedsrichter, wie sie zu einem guten Miteinander beitragen können?

Sich bewusst zu sein, welche Reaktion in welcher Situation angemessen ist. Da spricht man auch gerne von dem berühmten Fingerspitzengefühl. Der Gegenüber nimmt Dinge immer sehr unterschiedlich wahr und deswegen sollte man überlegen: Was hilft an dieser Stelle jetzt? Manchmal bedarf es einen strengen Blickes, manchmal kann aber auch geschickt eingesetztes Lächeln im richtigen Moment eher zur Deeskalation beitragen.

Was ist deine Einschätzung: Wie ist die Entwicklung im Verhältnis von Trainern und Schiedsrichtern in den vergangenen Jahren gewesen?

Das kann ich so pauschal nicht beantworten, weil sehr unterschiedlich mit dem Schiedsrichterwesen bzw. unseren Schiedsrichtern agiert wird. Das zeigt sich in der 3. Liga alleine an den Rückmeldungen, die wir aus den Vereinen bekommen: Einige geben sich unheimlich viel Mühe und das hilft den Schiedsrichtern zu reflektieren, wie ihre Leistung und ihre Entscheidungen bei den Vereinen ankommt. Andere beschränken ihre Rückmeldung auf das Minimum, sie nutzen die Möglichkeit des Dialogs nicht aus – und dann gibt es Vereine, deren Rückmeldungen überhaupt nicht helfen, weil sie an der Sache total vorbei gehen. Das ist schade, denn um die Brücke zum Anfang zu schlagen: Wir sitzen am Ende des Tages alle in einem Boot. Wir kämpfen alle um einen attraktiven Handball und dafür müssen wir uns gut miteinander reflektieren, damit beide Seiten davon lernen können und wir uns weiterentwickeln.

Das war jetzt eine sehr sachliche Antwort. Wie ist das auf der emotionalen bzw. persönlichen Ebene? Auf Social Media gibt es immer wieder Kommentare unter der Gürtellinie, auch von den Zuschauern müssen sich Schiedsrichter oft unsachliche Kommentare anhören. Wie ist das im Umgang mit den Trainern? 

Das ist immer abhängig von den handelnden Personen und ihrer Interaktion miteinander. Das war vor zehn Jahren schon so und das wird auch in zehn Jahren noch der Fall sein. Ich werbe gerne dafür, gemeinschaftlich zu agieren – und das beidseitig. Als Schiedsrichter muss ich natürlich regeltechnisch Entscheidungen treffen, aber abseits des Spielfeldes die Interessen und Meinungen von Mannschaften und Vereinen respektieren.

Sprich: Es ist die Eigenverantwortung von jedem Schiedsrichter und jedem Trainer selbst, dass man „sein“ gemeinsames Spiel möglichst gut zustande bekommt?

Ich hoffe, dass genau das der Anspruch ist – egal, ob man als Trainer oder Schiedsrichter. aktiv ist. Wenn ich für die 3. Liga sprechen darf: Die 3. Liga ist in den letzten zehn Jahren so stark gewachsen wie noch nie und der Druck hat  zugenommen, weil sich die wirtschaftlichen Verhältnisse extrem weiterentwickelt haben. Das spürt man auf den Bänken und darauf müssen unsere Schiedsrichter vorbereitet sein. Das passt zu dem Leitspruch, den ich seit meiner aktiven Karriere verfolge: In jedes Spiel vorbereitet, aber nie voreingenommen reingehen.

Viele Schiedsrichter an der Basis sind parallel als Spieler oder Trainer unterwegs bzw. Spieler und Trainer sind in den Landesverbänden parallel Schiedsrichter. Inwiefern hilft es, mitunter die andere Perspektive einzunehmen bzw. beide Seiten zu kennen?

Das hilft total, weil es das eigene Verständnis für die andere „Seite“ schärft. Wir haben als Schiedsrichter den regeltechnischen Rahmen, in dem wir uns bewegen, aber die Herausforderungen als Trainer zu kennen, ist total wertvoll. Ich kann mich nur wiederholen: Wir sitzen in einem Boot und das muss jedem klar sein!

DHTV unterstützt längstes Handballspiel der Welt

DHTV unterstützt längstes Handballspiel der Welt

DHTV unterstützt längstes Handballspiel der Welt

5. Februar 2026| Marc Fasthoff

72 Stunden Handball nonstop: Die Deutsche Handball Trainer Vereinigung (DHTV) e.V. unterstützt den Weltrekordversuch für das längste Handball-Spiel der Welt. Für das Event, das der Hamburger Traditionsverein T.H.-Eilbeck im Mai 2026 ausrichtet, stellt die DHTV unter anderem verschiedene Materialien zur Verfügung. 

„Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung der Deutschen Handball Trainer Vereinigung“, sagt Phil Gelhard aus dem Orga-Team des T.H.-Eilbeck. „Unser 72-Stunden-Spiel soll ein großes Handball-Fest für alle werden, für das wir neben der tatkräftigen Unterstützung unserer Volunteers natürlich auch eine gewisse Ausstattung brauchen. Es war ein toller Austausch mit der DHTV und wir freuen uns riesig über die gezielte Hilfestellung.“ 

„Wir unterstützen seit Jahren zahlreiche Werbeaktionen im Handball und stellen Kitas, Kindergärten und Grundschulen ebenso wie Vereinen oder Verbänden verschiedene Materialien – ob Leibchen, Bälle, Pfeifen oder Trainingsequipment – zur Verfügung“, sagt Ortwin Gilcher, Vorstand Finanzen/Mitgliederbetreuung. „Die Engagierten in den Vereinen und Verbänden leisten eine tolle Arbeit und wir wollen immer unbürokratisch dort helfen, wo Hilfe gebraucht wird und es einen Mehrwert für unsere Sportart und ihren Nachwuchs schafft. Eine Aktion wie der Weltrekordversuch tut der Außendarstellung des Handballs gut und daher unterstützen wir das 72-Stunden-Spiel natürlich gerne.“ 

Der Weltrekordversuch für das längste Handball-Spiel der Welt findet vom 22. bis 25. Mai 2026 in der Sporthalle Wandsbek (Rüterstraße 75, 22041 Hamburg) statt. Ausrichter ist der T.H.-Eilbeck. Neben den Handballer:innen des Hamburger Traditionsvereins und den Athlet:innen des Kooperationspartners Freiwurf Hamburg e.V. können auch Gäste aus anderen Vereinen teilnehmen. Die Anmeldung startet am 11. Februar 2026 – genau 100 Tage vor dem Anwurf – und wird ausschließlich online möglich sein. 

Alle Informationen gibt es unter https://weltrekord-theilbeck.de/

Trainerfortbildung: Handball ist spannend – für klein und groß!

Trainerfortbildung: Handball ist spannend – für klein und groß!

Trainerfortbildung: Handball ist spannend – für klein und groß!

4. Februar 2026| Marc Fasthoff

Der Handball-Verband Brandenburg, die Deutsche Handball-Trainer-Vereinigung und der 1. VfL Potsdam laden zu einem gemeinsamen Workshop unter dem Titel „Handball ist spannend – für klein und groß!“ ein.

Die Fortbildung richtet sich an Trainerinnen und Trainer im Kinder-, Jugend- und Seniorenhandball und bietet praxisnahe Inhalte für die tägliche Trainingsarbeit.

Der Workshop findet am Freitag, 27.03.2026, von 16:30 Uhr bis 21:00 Uhr (5 Unterrichtseinheiten) in der Ballspielhalle am Luftschiffhafen in Potsdam statt.

Als Referenten sind Anton PackPascal Engelmann und Alexander Haase (EHF Mastercoach) im Einsatz. Thematisch stehen unter anderem das individuelle Angriffsspiel in Verbindung mit Athletiktraining, der Einsatz von Team-Time-Outs sowie Entscheidungstraining in allen Spielphasen im Fokus.

Die Teilnahmegebühr beträgt 59,00 € inklusive Verpflegung.
Die Anmeldung ist bis zum 25.03.2026 über nuLiga oder per E-Mail an info@hvbrandenburg.de möglich. Für die Fortbildung werden 5 UE zur Verlängerung der B- und C-Trainerlizenz anerkannt.