Inspiration für Trainerinnen und Trainer

Inspiration für Trainerinnen und Trainer

Inspiration für Trainerinnen und Trainer

5. Juli 2026| DHTV

Zum mittlerweile stolzen 25. Mal organisierte der Handball-Verband Brandenburg gemeinsam mit der Deutschen Handballtrainervereinigung und dem 1. VfL Potsdam eine Fortbildung für Trainerinnen und Trainer für alle Altersbereiche.

Bilder von Silvia Göres!

Den Anfang machte diesmal der neue Jugend-Torwarttrainer des VfL Tom Göres. Er zeigte, was er unter dem Einwerfen des Torhüters versteht und wie Wiederholungen einfach Teil eines langfristigen Trainingsprozesses sind.

Im Anschluss demonstrierte A-Lizenz-Inhaber Uwe Kalski, wie Kreuzen und Parallelstoß im Positionsangriff zum Erfolg führen können. Dabei baute er unterschiedliche Schwierigkeitsgrade in die Übungsreihen ein, um auch die unterschiedlichen Niveaus der Teilnehmenden zu berücksichtigen. Pascal Engelmann und Anton Pack nahmen sich ebenfalls ein spannendes Thema vor: Bei ihnen ging es einerseits um das möglichst effektive und variable Überzahlspiel und andererseits um das aktive Verteidigen dieser Situationen. Denn schon im Jugendbereich spielen diese Sondersituationen eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Fehler gehören zu jeder Ballsportart der Welt. Entscheidend ist jedoch, wie mit dem Fehler umgegangen wird. Diesem Thema widmeten sich im abschließenden Workshop Sportpsychologin Mirja Rohde und EHF-Mastercoach Alexander Haase. Allen Teilnehmenden war schnell klar: Es gibt keine richtige oder falsche Antwort. Wichtig ist, was direkt danach passiert, welche Emotionen ich dabei zulasse und wie ich möglichst schnell wieder in einen spielfähigen Modus gelange. Klar ist allerdings, was dabei hilft: die langfristige Etablierung einer Fehlerkultur. Dabei sollte sich aber vor allem die Trainerinnen und Trainer bewusst sein, dass stets sie das Modell sind und die Orientierung geben.

Insgesamt waren sich die Referierenden und Teilnehmenden einig, dass dieses Format fortgesetzt wird. Ziel wird es auch dann sein, sich gegenseitig zu inspirieren.

60min Live in Kiel – C-/B-Lizenz Fortbildung beim DM-Finale der A-Jugend in Kiel

60min Live in Kiel – C-/B-Lizenz Fortbildung beim DM-Finale der A-Jugend in Kiel

60min Live in Kiel – C-/B-Lizenz Fortbildung beim DM-Finale der A-Jugend in Kiel

29. April 2026| DHTV

Kurzfristige Fortbildungsmöglichkeit im Nachwuchsleistungssport!

In Kooperation mit dem HVSH, den THW Kiel Junioren und der DHTV besteht am 03.05.2026 die Möglichkeit, eine hochwertige C-/B-Lizenz-Fortbildung im Rahmen des DM-Finalhinspiels der A-Jugend (THW Kiel vs. SC Magdeburg) zu besuchen.

🗓 Programm

  • 14:00 Uhr – Treffpunkt (Europaplatz Kiel, Spielereingang Ostseehalle)
  • 14:15–14:45 Uhr – Team- & Taktikvorstellung
  • 15:00–15:30 Uhr – Mentale Stärke im Finale
  • 16:00 Uhr – Spiel (mit Beobachtungsaufgaben)
  • 17:45 Uhr – Feedbackrunde
  • 18:15 Uhr – Trainer-Talk THW & SCM
  • ca. 19:00 Uhr – Ende

💰 Teilnahmeoptionen

  • 45 € (inkl. 5 LE zur Lizenzverlängerung) – Anmeldung über HVSH
  • 10 € (ohne Verlängerung) – Anmeldung über DHTV

Tickets für das Spiel sind im Preis enthalten.

📌 Anmeldung

👉 HVSH: https://www.hvsh.de/termine/lehrwesen/
👉 DHTV: kontakt@dhtv.de

Anmeldeschluss: 03.05.2026, 13:30 Uhr

Eure DHTV

Fortbildung „Handball ist spannend: Für klein und groß!“ – ein großer Gewinn

Fortbildung „Handball ist spannend: Für klein und groß!“ – ein großer Gewinn

Fortbildung „Handball ist spannend: Für klein und groß!“ – ein großer Gewinn

30. März 2026| DHTV

Die Fortbildung „Handball ist spannend: Für klein und groß!“ wurde wie immer gemeinsam vom Handball-Verband Brandenburg, der Deutschen Handball-Trainer-Vereinigung und dem 1. VfL Potsdam gemeinsam organisiert. Knapp 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung am vergangenen Freitagnachmittag nach Potsdam.

Bilder von Silvia Göres!

Die Fortbildung umfasste dabei sowohl praktische als auch theoretische Themenblöcke. Anton Pack und Pascal Engelmann präsentierten gemeinsam mit der C-Jugend des VfL Ansätze zum individuellen Angriffsspiel in Kombination mit vorbereitenden Athletikübungen, die exemplarisch die Grundlage für die spielerische Ausbildung im Nachwuchsbereich dasstellen. Der größte theoretische Teil der Fortbildung beschäftigte sich mit der Nutzung von Team-Time-Outs. Pascal Engelmann präsentiert dazu eine Zusammenfassung seiner Ergebnisse aus seiner wissenschaftlichen Arbeit, in deren Rahmen ein Vergleich des Einsatzes von Team-Time-Outs im Profibereich mit dem Nachwuchsleistungssport stattfand. Hier wurde zwischen dem aktiven und dem reaktiven Team-Time-Out unterschieden und gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutiert, welcher Ansatz für den Nachwuchsbereich, auch auf unterschiedlichen Leistungsebenen effektiv sein könnte.

Der letzte Teil stellte dann die Entscheidungen im Handballspiel in den Mittelpunkt. EHF-Mastercoach Alexander Haase demonstrierte gemeinsam mit seiner A-Jugend, wie das richtige Entscheiden in der Abwehr, im Positionsangriff und im Gegenstoß bzw. Rückzug geübt werden kann. 

Letztlich kann konstatiert werden, dass den Teilnehmenden eine Vielzahl von Übungen und Inhalten für den eigenen Trainingsbetrieb angeboten wurde. Darüber hinaus erfolgte ein überaus gelungener fachlicher Austausch, der bei einer solchen Zusammenkunft einfach nicht fehlen darf. Am 27.6. wird es dann eine Ganztagesfortbildung in Potsdam geben. Der Inhalt steht noch nicht vollständig fest. Es wird dabei aber das Torwarttraining inhaltlich berührt genauso wie der Umgang mit dem eigenen Fehler aus sportpsychologischer Sicht.

Vorsitzender der DHTV beim Kongress zu Gesundheit, Sport, Inklusive, Nachhaltigkeit und Demokratie

Vorsitzender der DHTV beim Kongress zu Gesundheit, Sport, Inklusive, Nachhaltigkeit und Demokratie

Vorsitzender der DHTV beim Kongress zu Gesundheit, Sport, Inklusive, Nachhaltigkeit und Demokratie

11. März 2026| DHTV

Am 28. Februar 2026 fand in Solingen der glüxpänz Kongress unter dem Motto „Netzwerken – gemeinsam stark und kreativ!“ statt. Im Mittelpunkt standen Gesundheit, Sport, Inklusion, Nachhaltigkeit und Demokratie mit dem Ziel, neue Ideen, Innovationen und Impulse für die Praxis in Kitas, Schulen und Quartieren zu entwickeln. Die Deutsche Handballtrainer Vereinigung (DHTV) war durch unseren Vorsitzenden Klaus-Dieter Petersen vertreten.  

 

Nach der Begrüßung und dem Eröffnungsvortrag von Prof. h.c. Dr. h.c. Armin Krenz zum Thema „Die Haltung prägt die Pädagogik – die Haltung führt zur Qualität“ nahm ‚Pitti‘ am Panel „Sport und Bewegung als Basis der Zusammenarbeit im Quartier“ teil. Im Rahmen dieser Diskussionsrunde unterstrich der Vorsitzende der DHTV und Nachwuchskoordinator beim THW Kiel mit Nachdruck die zentrale Bedeutung von Bewegung in Kindergärten und Grundschulen.

Aus seiner Sicht werden dort die entscheidenden Grundlagen für körperliche, geistige und soziale Entwicklung gelegt. Bewegung sei kein „Zusatzangebot“, sondern elementarer Bestandteil ganzheitlicher Bildung. Frühzeitige Bewegungsförderung stärke nicht nur Motorik und Gesundheit, sondern auch Selbstbewusstsein, Konzentrationsfähigkeit und Teamfähigkeit.

Gerade in einer Zeit zunehmender Bewegungsarmut und wachsender sozialer Herausforderungen sei es Aufgabe von Politik, Verbänden und Trägern, Bewegung strukturell zu verankern – verlässlich, qualitätsgesichert und nachhaltig finanziert.

Sport als gelebte Demokratie

Darüber hinaus betonte ‚Pitti’ die Rolle des Sports als gelebtes Lernfeld für Demokratie. Kinder und Jugendliche lernen im Sport den Umgang mit Regeln, erleben Fairness und Respekt und erfahren, was es bedeutet, Verantwortung für sich und das Team zu übernehmen.

Das Akzeptieren von Entscheidungen, das Einhalten gemeinsamer Vereinbarungen sowie das Miteinander im Team seien praktische Demokratiebildung im Alltag. Sport vermittle Werte wie Verlässlichkeit, Zusammenhalt und gegenseitige Achtung – Kompetenzen, die weit über das Spielfeld hinauswirken und für eine stabile, solidarische Gesellschaft unverzichtbar sind.

Besonders hob ‚Pitti’ hervor, dass demokratische Haltung nicht verordnet werden könne, sondern im täglichen Handeln sichtbar werde – im Training, im Wettkampf, im Umgang mit Niederlagen und Erfolgen sowie in der Vorbildfunktion von Trainerinnen und Trainern.

Verantwortung, Haltung und Wirkung

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Ausführungen lag auf den Themen Verantwortung, Haltung und Wirkung. ‚Pitti’  machte deutlich, dass Vereine, Verbände und Bildungseinrichtungen eine besondere gesellschaftliche Verantwortung tragen. Entscheidend sei die innere Haltung der handelnden Personen: Wer Kindern mit Respekt, Klarheit und Verbindlichkeit begegnet, schafft Vertrauen und Orientierung.

Wirkung entstehe dort, wo aus dieser Haltung nachhaltige Strukturen, verlässliche Netzwerke und langfristige Kooperationen wachsen. Gerade die Zusammenarbeit im Quartier – zwischen Kita, Schule, Verein, Kommune und weiteren Partnern – sei der Schlüssel, um Kinder unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund zu erreichen.

Starker Austausch – starke Impulse

Am Nachmittag vertieften zahlreiche Breakouts und Workshops die Themen des Tages, unter anderem zu Medienkompetenz, Kinderschutz, Demokratiebildung, Inklusion und Bewegungsangeboten. Der intensive Austausch zeigte, wie groß das gemeinsame Interesse an einer starken, bewegten und werteorientierten Bildungslandschaft ist.

Für die DHTV war der Kongress ein wichtiger Impulsgeber. Die Beiträge und Gespräche haben erneut verdeutlicht, dass Bewegung mehr ist als Sport – sie ist Bildungsauftrag, Gesundheitsförderung und gesellschaftlicher Beitrag zugleich.

Der glüxpänz Kongress 2026 setzte damit ein klares Zeichen für die Bedeutung von Bewegung, demokratischen Werten und verantwortungsvollem Handeln – Themen, die durch die Positionen von ‚Pitti’ prägnant vertreten wurden. Die DHTV wird diese Impulse aufnehmen und weiterhin aktiv daran mitwirken, Bewegung, Haltung und Verantwortung im deutschen Handball nachhaltig zu stärken.

„Wenn ein Spieler Leistung bringt, ist sein Alter egal.“ – Interview mit Daniel Haase

„Wenn ein Spieler Leistung bringt, ist sein Alter egal.“ – Interview mit Daniel Haase

„Wenn ein Spieler Leistung bringt, ist sein Alter egal.“ – Interview mit Daniel Haase

11. März 2026| DHTV

Daniel Haase ist einer der bekanntesten Nachwuchstrainer im deutschen Handball. Mit den Rhein-Neckar Löwen erreichte er mehrfach das Finale um die Deutsche Meisterschaft in der A-Jugend, im Jahr des Titelgewinns 2022 wurde er zudem als „Nachwuchstrainer der Saison“ der HBL ausgezeichnet. Im Sommer 2024 kehrte der heute 43-Jährige als Trainer der Zweitliga-Mannschaft zu seinem Jugendverein TUSEM Essen zurück, wo sein Engagement im Dezember 2025 endete. Im Interview spricht der A-Lizenz-Inhaber über die Frage, wie Anschlussförderung gelingt … 

 

Daniel, die Anschlussförderung ist in den vergangenen Jahren immer wieder ein großes Thema gewesen. Was braucht es, damit junge Spieler erfolgreich im Erwachsenenbereich ankommen?

Es ist ein Mix aus verschiedenen Faktoren. Als Verein muss ich den Mut haben, jungen Spielern die Chance  zu geben und diese Entscheidung auch dann mitzutragen, wenn es kurzfristig nicht sofort erfolgreich ist. Es braucht mitunter einen längeren Atem, bis sich der junge Spieler einfügt und der Erfolg messbar sichtbar ist. Als Trainer muss ich bereit sein, mit jungen Spielern zu arbeiten und den Mut haben, sie auch einzusetzen. Und als Spieler muss ich bereit sein, meine neue Rolle anzunehmen und vielleicht eine gewisse Geduld zu haben – auch, wenn die heutige Generation eine andere Anspruchshaltung hat.

Wie meinst du das?

Früher konnte ein Trainer einen jungen Spieler auch 20 Spiele hinter die Bank setzen und das wurde akzeptiert. Das ist heute anders. Die Spieler haben eine andere Anspruchshaltung an sich und auch an den Trainer bzw. den Verein. Jeder hat den Anspruch, zu spielen – und wenn er sieben Spiele nicht auf dem Feld steht, hat er vielleicht keinen Bock mehr. Das sollte man als Trainer wissen.

Was verändert das in der Arbeit mit jungen Spieler für den Trainer?

Ich glaube, man sollte diese Ansprüche ernst nehmen. Damit meine ich natürlich nicht, dass ein junger Spieler sich wünschen darf, was er will oder man sich als Trainer auf der Nase herumtanzen lässt, aber es ist wichtig, auf die jungen Spieler zu achten. Es braucht Erfolgserlebnisse. Dass junge Spieler zwei Jahre nur auf der Bank sitzen, gehört zurecht der Vergangenheit an. Als Trainer kann man die Integration stattdessen mit Verstand gestalten, man kann mal eine Belohnung für gute Trainingsleistung geben, man kann die Jungs bewusst über Aufgaben einbinden und mit ihnen Ziele für die Entwicklung besprechen.

Zum Beispiel? 

Als A-Jugendlicher im Herrenbereich anzukommen, ist mindestens ab der Oberliga immer ein Anpassungsvorgang. Kaum ein A-Jugendlicher kommt bei den Männern direkt zurecht, das kann man auch als Trainer auch nicht erwarten. Es hilft daher beiden Seiten, Ziele zu definieren. Wenn ein junger Spieler schnell ist, aber noch nicht den Körper mitbringt, kann man ihn schrittweise heranführen – er kommt zunächst auf der Außenposition in der Abwehr, rückt dann auf die Halbposition und geht dann irgendwann die 2. und 3. Welle mit, aber im aufgebauten Angriff spielt er eben erst, wenn er körperlich und spielerisch soweit ist. So setzt man als Trainer Leitplanken für die Entwicklung, die allen Beteiligten – dem Spieler selbst, dem Trainer, aber natürlich auch den Mannschaftskollegen – Orientierung geben.

Und das funktioniert?

Meiner Erfahrung nach gehen die meisten Spieler bei so einem Plan voll mit, weil sie so eine klare Rolle haben und sie ernst genommen werden. Einige Trainer haben vielleicht nach wie vor die Meinung, dass ein 19-Jähriger nicht so viel wert ist wie ein 30-Jähriger und sich ein junger Spieler erst einmal die Hörner abstoßen müsse, aber das ist aus meiner Sicht falsch. Letztendlich ist Handball – in der Oberliga ebenso wie in der Bundesliga – ein Leistungssport: Wenn ein Spieler die für das Niveau notwendige Leistung bringt, ist sein Alter egal. Die Mündigkeit der Spieler ist groß geworden; sie wollen spielen und nicht nach zwei Jahren erste Erfahrung sammeln, weil sie dann alt genug sind.

Was bedeutet das neue Selbstbewusstsein junger Spieler, wenn ich das so nennen darf, für die Hierarchie in einer Mannschaft?

Es hat sich ebenfalls gewandelt; auch hier spielt die Leistung inzwischen eine größere Rolle als das Alter. Wenn ein junger Spieler auf Anhieb den Anschluss findet, kann er spielerisch auch eine Führungsrolle einnehmen. Wir müssen davon weg, dass es jung und alt gibt, am Ende sollte für mich als Trainer die Qualität zählen. Qualität setzt sich durch. Und wenn ein 19-Jähriger die Qualität hat, muss ich als Trainer auch den Mut aufbringen, ihn in engen Phasen einzuschmeißen, damit er Erfahrung sammeln kann – etwas, das ältere Spieler ihm natürlich voraus haben.

Das ist ein Risiko …

Das habe ich gemerkt (lacht). Deshalb ist es wichtig, dass der Verein und auch die Mannschaft dahinterstehen, junge Spieler einzubinden und zu entwickeln. Das ist eine Philosophiefrage. Junge Spieler müssen Erfahrung sammeln und Fehler machen dürfen. Wenn der Verein, die Fans oder die Sponsoren das nach ein, zwei schlechten Spielen sofort hinterfragen, wird es Ärger geben.

Auch die Mitspieler müssen das mittragen …

Das stimmt, aber auch das ist zum einen eine Frage der Vereinsphilosophie und zum anderen ein Punkt, wie der Trainer das vermittelt. Wenn ich transparent bin, kann ich die Spieler mitnehmen. Denn bei allem Willen, junge Spieler zu fördern und zu integrieren: Es gehört aber auch zur Wahrheit, dass es nur mit jungen Spielern auch nicht funktionieren wird. Jeder Trainer braucht erfahrene Spieler, die ihre Erfahrung weitergeben und die jungen Spieler im Training und im Spiel an die Hand nehmen. Ich glaube, dieser Faktor wird oft unterschätzt.

Inwiefern?

Mentoren innerhalb der Mannschaft sind für junge Spieler unfassbar viel wert. Die Bedeutung habe ich am Anfang sicherlich auch selbst unterschätzt, aber es hat einen großen Impact, wenn nicht nur der Trainer Informationen weitergibt, sondern die Kniffe untereinander vermittelt werden. Ein erfahrener Abwehrspieler wie Alexander Becker beim TuSEM Essen kann den jungen Spielern so viel mitgeben, was du als Trainer gar nicht schaffst. Entsprechend wichtig ist ein ausgewogener Kader, in dem die älteren Spieler vielleicht keine 60 Minuten mehr durchspielen, aber über ihre Erfahrung unverzichtbar sind und in gewisser Weise „mitcoachen“. Und generell sind ältere und erfahrene Spieler für eine Mannschaft bedeutsam, denn zu viel Verantwortung kann junge Spieler leicht überfordern.

Wie gelingt es, die Balance zu finden, sodass junge Spieler weder überfordert noch unterfordert werden?

Das ist ein Punkt, den man als Trainer im Blick haben muss. Unterforderung und Überforderung liegen dicht beieinander und müssen mitunter auch sein. Eine – leichte – Unterforderung ist per se nichts schlechtes, weil sie mitunter den Raum gibt, um Dinge auszuprobieren. Wenn ein A-Jugendlicher beispielsweise schon bei den Herren trainiert und dann in seiner Altersklasse nicht mehr hundert Prozent an seine Leistungsgrenze gehen muss, ist das nicht schlimm. Er hat dort vielleicht auch eine andere Rolle als bei den Männern. Und wenn ein A-Jugendlicher wiederum neu im Männerbereich ist, ist es normal, dass er in den ersten Trainingseinheiten und Spielen überfordert sein wird. Es sollte sich aber nach und nach einpendeln. Ich kann nur empfehlen, dass die Jungs sich früh im Seniorenbereich ausprobieren dürfen, dann wird man sehen, wohin die Reise gehen kann.

Wenn du eben von einem ausgewogenen Kader gesprochen hast: Wie entscheidest du, ob ein junger Spieler in die Mannschaft passt?

Falls ich das voranstellen darf: Dass ein Spieler in die Mannschaft passt, ist nur ein Faktor. Viel wichtiger ist, dass er zu mir als Trainer und meiner Spielidee passt. Ich brauche keinen jungen Spieler holen, der seine absolute Stärke im Eins-gegen-Eins hat, wenn ich von ihm dann erwarte, dass er aus 15 Metern den Ball auf das Tor hämmert. Bevor ich den Spieler hole, der in der Jugend 300 Tore in einer Saison geworfen hat, muss ich also überlegen, ob er in mein Konzept passt, sonst wird es ein beidseitiger Reinfall.

Wie gehst du bei so einer Entscheidung vor?

Es hilft natürlich, wenn man einen Spieler kennt, weil man vielleicht früher schon mit ihm gearbeitet hat. Es kann und darf jedoch kein Kriterium sein, einen Spieler nur zu nehmen, weil man ihn schon kennt. Das wichtigste Kriterium ist natürlich die Leistung, da kann ich als Trainer auch Statistiken als Grundlage heranziehen. Wie viele Tore hat ein Spieler geworfen, wie viele Assists, wie ist seine Wurfquote? Es gibt jedoch Faktoren, die keine Statistik der Welt zeigt.

Zum Beispiel?

Wie ist die Persönlichkeit eines Spielers? Hat ein Spieler Spaß an der Abwehr? Ist ein Spieler – abseits der sportlichen Leistung – bereit, eine Führungsrolle in der Mannschaft einzunehmen? Wie ist seine Einstellung im Training? Ist er bereit, aus seiner Komfortzone herauszugehen? Wie ist seine körperliche Entwicklung? Wie geht er mit der Körperlichkeit im Männerbereich um?

Wie findest du die Antworten auf diese Fragen?

Ich finde es ganz wichtig, mit dem Spieler und seinen Eltern, aber auch seinen Trainern oder Mitspielern – ob ehemalig oder aktuell – zu reden. Sie können dir neue Perspektiven geben. Ich bekomme auch immer wieder Anrufe von Trainerkollegen, die mich zu früheren Spielern befragen. Dieser Austausch ist enorm wichtig. Wenn mir ein Trainerkollege sagt: Spieler X hat Talent, aber ist im Training ein Schludrian, dann weiß ich, dass es nicht passen wird, wenn ich viel Wert auf Disziplin lege.

Wenn du dich für einen Spieler entscheidest: Wie viel ist Bauchgefühl und wie viel ist Statistik?

Fifty-Fifty. Die Statistik ist eine wichtige Grundlage, aber man kann sich nicht nur darauf verlassen. Die Quote und die Anzahl der technischen Fehler wären vielleicht noch statistisch erfassbar, aber wie ein Spieler deckt und wie sein Mindset auf der Bank ist, wenn er ausgewechselt wurde, zeigt keine Zahl. Bleiben wir bei unserem Spieler, der 300 Tore erzielt hat: Sitzt er nach seiner Auswechslung bockig da oder feuert er die Mannschaft an? Und wenn er in einem Spiel vielleicht nur drei von elf Würfen getroffen hat: Unterstützt er nach seiner Auswechslung von der Bank und freut sich mit seinen Teamkollegen oder meckert er die ganze Zeit gegen Schiedsrichter und über die Fehler der Mitspieler? Mentalität kann man nicht an Zahlen ablesen. Daher kann ich neben dem Austausch mit Trainerkollegen nur dazu raten, sich auf jeden Fall ein oder zwei ganze Spiele anzugucken, um zu beobachten, wie er sich abseits eines Videozusammenschnitts seiner Tore präsentiert.

Selbst, wenn auf dem Papier alles gut aussieht und auch die zweiten Meinungen positiv sind: Eine Garantie, dass es funktioniert, gibt es nicht, oder?

Nein, natürlich nicht. Ob ein A-Jugendlicher seine Qualitäten auch im Erwachsenenbereich zeigen kann, ist ein Blick in die Glaskugel. Ob ein Spieler seinen „X-Faktor“, der ihn auszeichnet, nicht nur unter Gleichaltrigen zeigen kann, sondern auch im Erwachsenenbereich abrufen kann, kann man nicht vorhersagen. Und der Spieler muss sich in der neuen Mannschaften auch anbieten wollen, sonst hast du als Trainer keine Chance.

Magst du das erklären?

Es gibt A-Jugendliche, die nach ein, zwei Wochen völlig akzeptiert sind, weil sie mit ihrer Leistung überzeugen und die älteren Spieler ihr Talent auch sehen. Felix Göttler wäre dafür ein gutes Beispiel aus meiner Zeit in Essen. Kapitän Dennis Sczesny war am Anfang skeptisch, aber Felix hat ihn in der Vorbereitung komplett überzeugt und in der Saison selbst 155 Tore in 33 Spielen gemacht. Über Leistungsbereitschaft, Wille, Einstellung und Disziplin kann man als junger Spieler also viel gewinnen, aber auch viel verlieren, wenn diese Faktoren nicht stimmen. Ob ein Spieler ankommt, hängt viel an ihm selbst. Als Trainer kannst du einen jungen Spieler in einem gewissen Rahmen fördern, aber du darfst ihn nicht blind protegieren. Er muss sich bewähren.

Wann würdest du sagen: Finger weg von einer Verpflichtung?

Wenn mich ein Spieler von der Einstellung nicht überzeugt hat und ich Bauchschmerzen habe, hole ich ihn nicht – auch, wenn er 300 Tore in einer Saison geworfen hat. Und Trainer und Verein müssen sich einig sein, wen sie holen. Wenn ein Trainer mit einem Spieler arbeiten muss, weil er ihn vom Verein vorgesetzt bekommt, wird es keine fruchtbare Beziehung. Daher ist es als Verein keine Lösung, einfach junge Spieler zu holen, weil es gerade en vogue ist – man sollte einen Spieler nur holen, wenn er zum Trainer passt.

Schlagen wir abschließend einen Bogen zum Anfang: Wenn ein junger Spieler bei dir erfolgreich im Erwachsenenbereich angekommen ist und sich auszeichnet, kommt vielleicht irgendwann der nächste Schritt – und es kommen die Anfragen. Wie schwierig ist es, Spieler ziehen zu lassen, die man bei so einem wichtigen Schritt begleitet hat?

Das ist natürlich hart, aber als Trainer muss man offen sein. Man kann ja niemanden zwingen, zu bleiben und jemanden absichtlich schlecht zu reden, ist keine Option. Wenn ein Angebot für einen Spieler geil ist, ist das doch toll und man kann ihn stolz ziehen lassen. Mich freut das immer riesig – und dann suche ich den nächsten Spieler, der diesen Weg gehen kann (lacht).